Auf hoher See und vor Gericht (Bei Euch – Folge 52 – 13.9.2020)

Morija war ein Prüfstein, Moria ist es heute. Am Berg Morija wird der Glaube des Stammvaters Abraham geprüft, als er seinen Sohn Opfer soll, es aber bei der bloßen Bindung bleibt. In Morio auf der griechischen Insel Lesbos steht Europa vor der Prüfung, ob es zu seinen Werten, von denen behauptet wird, sie seien jüdisch und christlich, steht. Zwischen der Diskussion um Pull- und Push-Faktoren bleibt die Frage nach dem, was der Mensch sein soll, auf der Strecke. Das ist nicht nur eine Frage europäischer Werte, sondern für glaubende Menschen immer auch die des göttlichen Gerichtes: Wie wird man dem göttlichen Richter Rechenschaft über das ablegen können, was man getan, aber eben auch nicht getan hat?

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Morija war ein Prüfstein, Moria ist es heute. Am Berg Morija wird der Glaube des Stammvaters Abraham geprüft, als er seinen Sohn Opfer soll, es aber bei der bloßen Bindung bleibt. In Morio auf der griechischen Insel Lesbos steht Europa vor der Prüfung, ob es zu seinen Werten, von denen behauptet wird, sie seien jüdisch und christlich, steht. Zwischen der Diskussion um Pull- und Push-Faktoren bleibt die Frage nach dem, was der Mensch sein soll, auf der Strecke. Das ist nicht nur eine Frage europäischer Werte, sondern für glaubende Menschen immer auch die des göttlichen Gerichtes: Wie wird man dem göttlichen Richter Rechenschaft über das ablegen können, was man getan, aber eben auch nicht getan hat?

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Angst frisst Denken (Bei Euch – Folge 51 – 5.9.2020)

Corona ist eine Zumutung, SARS-CoV-2 eine Heimsuchung. Der aufgeklärte Mensch der Gegenwart, ist – gefangen in einer Illusion, mit Technik die Natur beherrschen zu können – nicht nur desillusioniert; der Verlust der gewohnten „Normalität“ verunsichert auch viele. Während die meisten Menschen sich allerdings längst der selbstverschuldeten Unmündigkeit entledigt haben und zunehmend lernen, in großer Gelassenheit im Alltag mit dem Virus zu leben. Außerdem geht es um die Frage, welche Bedeutung Dogmen haben.

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Corona ist eine Zumutung, SARS-CoV-2 eine Heimsuchung. Der aufgeklärte Mensch der Gegenwart, ist – gefangen in einer Illusion, mit Technik die Natur beherrschen zu können – nicht nur desillusioniert; der Verlust der gewohnten „Normalität“ verunsichert auch viele. Während die meisten Menschen sich allerdings längst der selbstverschuldeten Unmündigkeit entledigt haben und zunehmend lernen, in großer Gelassenheit im Alltag mit dem Virus zu leben – wozu eben auch das Maskentragen, Abstandhalten und Händewaschen gehören, wähnen andere immer noch finstere Mächte am Werk. Sie ähneln darin Kindern, die Angst vor dem bösen Wolf haben. Wovor aber haben sie wirklich Angst? Sollte man ihnen wie Kindern begegnen, ihre Ängste wahrnehmen und das Licht anlassen, um ihnen die Angst zu nehmen? Das wäre auf jeden Fall einen Versuch wert, anstatt sie einfach herablassend verloren zu gehen.

Außerdem geht es um die Frage, welche Bedeutung Dogmen haben. Dogmen, die sich der verständigen Reflexion entziehen, werden schnell zur Ideologie. Stattdessen gilt auch hier das Ringen um Verstehen. Dazu gehört die Bereitschaft zu streitbarem Diskurs. Die Wahrheit ist von flüchtigem Wesen. Sie lässt sich nicht einsperren, wohl aber gemeinsam erkennen.

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Zeit zum Leben (Bei Euch – Folge 50 – 30.8.2020)

Krisen sind Herausforderungen. Veränderungen sind unausweichlich. Das Unbekannte schürt bei manchen Ängste, bei anderen werden Forschergeist und Neugier geweckt. Dabei sind Emotionen meist wirksamer als Informationen. Deshalb kann es kaum verwundern, wenn viele den bitteren Weg der Wahrheitssuche umgehen und einfachen Lösungen vertrauen, die bei näherem Hinsehen der Komplexität des Problems nicht gerecht werden. Zeit ist allerdings ein hohes Gut. Wenn Menschen in etwas Lebenszeit investieren, bleiben sie meist auf diesem Pfad, selbst wenn er sich als Irrweg entpuppen sollte. Gerade deshalb ist es auch in Krisen wichtig, dem Leben Raum zu geben. Dazu bedarf es in Krisen, wenn nichts auf „normale“ und gewohnte Weise geht, bei den Verständigen in Kirche und Gesellschaft kreativer und schöpferischer Ideen, dem Leben Raum zu verschaffen. Eines ist gewiss: Tote haben keine Zeit mehr, Lebende schon. Wenn die Hoffnung nicht sterben soll, ist es Zeit zu Leben!

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Krisen sind Herausforderungen. Veränderungen sind unausweichlich. Das Unbekannte schürt bei manchen Ängste, bei anderen werden Forschergeist und Neugier geweckt. Dabei sind Emotionen meist wirksamer als Informationen. Deshalb kann es kaum verwundern, wenn viele den bitteren Weg der Wahrheitssuche umgehen und einfachen Lösungen vertrauen, die bei näherem Hinsehen der Komplexität des Problems nicht gerecht werden. Zeit ist allerdings ein hohes Gut. Wenn Menschen in etwas Lebenszeit investieren, bleiben sie meist auf diesem Pfad, selbst wenn er sich als Irrweg entpuppen sollte. Gerade deshalb ist es auch in Krisen wichtig, dem Leben Raum zu geben. Dazu bedarf es in Krisen, wenn nichts auf „normale“ und gewohnte Weise geht, bei den Verständigen in Kirche und Gesellschaft kreativer und schöpferischer Ideen, dem Leben Raum zu verschaffen. Eines ist gewiss: Tote haben keine Zeit mehr, Lebende schon. Wenn die Hoffnung nicht sterben soll, ist es Zeit zu Leben!

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Opferkult (Bei Euch – Folge 49 – 22.8.2020)

„Sich als Opfer zu definieren, ist ein Bestreiten dessen, was uns zu Menschen macht.“ (Jonathan Sacks) Dabei ist der Opfer-Begriff schillernd, trägt er doch immer einen Beziehungsaspekt in sich. Man kann zum Opfer werden. Andererseits kann man sich aktiv für jemand anderen opfern. Der Opferbegriff kann also auch von hoher ethischer Kompetenz zeugen. Auch in der jüdischen Tradition spielt der Opferbegriff eine wichtige Rolle – hier insbesondere als Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Gott. Diese Tradition könnte eine mögliche Lösung für diejenigen in sich tragen, die zu Opfern gemacht werden. In der Ermächtigung und Wiedererlangung der Souveränität über sich selbst wird Aktion ermöglicht. Kirche und Gesellschaft können daran mitwirken, indem sie die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu verpflichtet allein schon die Würde der Opfer.

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„Sich als Opfer zu definieren, ist ein Bestreiten dessen, was uns zu Menschen macht.“ (Jonathan Sacks) Genau das aber passiert in Zeiten der Corona-Pandemie vielfach, wenn selbst ernannte Querdenker sich als Opfer einer Corona-Diktatur, Mainstreammedien oder sonstiger finsterer Mächte wähnen. Dabei ist der Opfer-Begriff schillernd, trägt er doch immer einen Beziehungsaspekt in sich. In der germanisch geprägten Denkweise meint er ein komplementäres Beziehungsverhältnis, in dem ein Täter oder eine Täterin eine oder einen anderen Menschen erniedrigt. Zum Opfer wird man dann gemacht. Andererseits kann man sich aktiv für jemand anderen opfern. Der Opferbegriff kann also auch von hoher ethischer Kompetenz zeugen. Es kommt halt auf die Ziele an. Auch in der jüdischen Tradition spielt der Opferbegriff eine wichtige Rolle – hier insbesondere als Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Gott. Es ist sogar die Beziehung zwischen Mensch und Gott selbst, die als Opfer bezeichnet wird – ein Aspekt, der auch im Christentum von hoher Bedeutung ist und nicht vorschnell missverstanden werden darf. Dabei trägt diese Tradition sogar eine mögliche Lösung für diejenigen in sich, die zu Opfern gemacht werden. In der Ermächtigung und Wiedererlangung der Souveränität über sich selbst wird Aktion ermöglicht. Kirche und Gesellschaft können daran mitwirken, indem sie die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu verpflichtet allein schon die Würde der Opfer. Für die Selbstviktimisierer hingegen gilt: „Schließlich sollte man die Tricks, von denen ich gesprochen habe, dingfest machen, ihnen sehr drastische Namen geben, sie genau beschreiben, ihre Implikationen beschreiben und gewissermaßen versuchen, dadurch die Massen gegen diese Tricks zu impfen, denn schließlich will niemand ein Dummer sein.“ (Theodor W. Adorno, Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, Berlin 2019, S. 54.)

Außerdem gibt es eine kleine Einführung in das Handwerk und die Bedeutung des Weihrauches.

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Himmelfahrtskommando (Bei Euch – Folge 48 – 14.8.2020)

Die Ursachen, Folgen und Lösungsansätze der Corona-Pandemie sind komplex. Während die einen nach dem „Prinzip Hoffnung“ handeln, agieren andere im Modus eines Himmelfahrtskommandos. Manch einer, der sich als Querdenker wähnt, entpuppt sich dabei als Mensch, der bestenfalls ein Brett quer vor dem Kopf trägt. Aber selbst besonnene Zeitgenossinnen und -genossen tappen in selbstgerechte Empörungsfallen. Bei all dem gerät aus dem Blick, dass eine Pandemie wie jene, die durch das Virus SARS-CoV-2 verursacht ist, nur als solidarisches Projekt der Gesellschaft als Ganzer bewältigt werden kann. Dabei bleiben Fehler nicht aus – Fehler, aus denen man lernen kann und soll.

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Die Ursachen, Folgen und Lösungsansätze der Corona-Pandemie sind komplex. Während die einen nach dem „Prinzip Hoffnung“ handeln, agieren andere im Modus eines Himmelfahrtskommandos. Manch einer, der sich als Querdenker wähnt, entpuppt sich dabei als Mensch, der bestenfalls ein Brett quer vor dem Kopf trägt. Aber selbst besonnene Zeitgenossinnen und -genossen tappen in selbstgerechte Empörungsfallen. Bei all dem gerät aus dem Blick, dass eine Pandemie wie jene, die durch das Virus SARS-CoV-2 verursacht ist, nur als solidarisches Projekt der Gesellschaft als Ganzer bewältigt werden kann. Dabei bleiben Fehler nicht aus – Fehler, aus denen man lernen kann und soll.

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Doppelboden vs. Hohlraum (Bei Euch – Folge 47 – 8.8.2020)

Worte schaffen Wirklichkeiten. Das ist nicht nur für Glaubende eine grundlegende Erkenntnis, die bekennen, dass Gott durch sein Wort schafft; die kommunikationstheoretische Entdeckung der performativen Macht menschlicher Sprache gilt auch für jene, die sich mit dem Glauben an einen göttlichen Schöpfer schwer tun. Ganz alltäglich ist vielen die Erfahrung digitaler „Shitstorms“ oder „Flauschs“ geläufig, die entweder persönliches Unbehagen oder euphorische Wohligkeit bewirken. Worte sind mächtig. Der Verlust um das Bewusstsein um die Vielschichtigkeit menschlicher Sprache und der Fähigkeit, Ironie, Methaphorik oder Polemik zu verstehen, ist ein erschreckendes Phänomen der Gegenwart.

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Worte schaffen Wirklichkeiten. Das ist nicht nur für Glaubende eine grundlegende Erkenntnis, die bekennen, dass Gott durch sein Wort schafft; die kommunikationstheoretische Entdeckung der performativen Macht menschlicher Sprache gilt auch für jene, die sich mit dem Glauben an einen göttlichen Schöpfer schwer tun. Ganz alltäglich ist vielen die Erfahrung digitaler „Shitstorms“ oder „Flauschs“ geläufig, die entweder persönliches Unbehagen oder euphorische Wohligkeit bewirken. Worte sind mächtig. Sie können heilen oder verletzen. Jemandem das Wort zu verbieten gehört deshalb zu allen Zeiten zu den Verfahrensweisen totalitärer Systeme, die zur Sicherung ihrer Macht nicht nur Bücher verbrennen, sondern auch Andersdenkende mundtot machen wollen. Diese Gefahr ist alles andere als gebannt. Immer wieder wird auch in der Gegenwart der Kampf nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Befindlichkeiten ausgetragen. Es geht meist nicht mehr um die Sache, sondern um Personen. Meist beginnt es mit dem Verlust des Verständnisses für die Vieldeutigkeit und -schichtigkeit menschlicher Sprache. Ironie, Metaphern, Polemik werden nicht mehr verstanden. Was bleibt, sind oberflächliche Phrasen der Belanglosigkeit. Eine Entwicklung, vor der auch Verkünderinnen und Verkünder der frohen Botschaft nicht gefeit sind.

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Gretchens Graben (Bei Euch – Folge 46 – 1.8.2020)

Die Debattenkultur gerät zunehmend in die Krise. Das Tucholsky-Paradigma, Satire dürfe alles, wird etwa gerne bemüht, wenn es der eigenen Sicht der Dinge entspricht. Oft genug aber rufen dieselben Leute, die die Allzuständigkeit der Satire bemühen, gegenwärtig zur Löschung von Beiträgen auf, wenn die Satire nicht im eigenen Sinn ist. Auf diese Weise stirbt jede lösungsorientierte Kommunikation. Da man nach einer Erkenntnis Paul Watzlawicks nicht nicht kommunizieren kann, sind die Wirkungen auf Strategien zur Konfliktbewältigung in der Gegenwart fatal. Sie gleicht in Kirche wie in der Gesellschaft zunehmen einer Kultur kommunikativer Schützengräben, einem rhetorischen Stellungskampf, der zwar hohe Verluste fordert, aber keinerlei Fortschritt bringt. Es ist längst an der Zeit, etwas zu ändern. Statt Teil des Problems zu bleiben, sollte eine Besinnung auf die Suche nach Lösungen Raum greifen.

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Die Debattenkultur gerät zunehmend in die Krise. Das Tucholsky-Paradigma, Satire dürfe alles, wird etwa gerne bemüht, wenn es der eigenen Sicht der Dinge entspricht. Oft genug aber rufen dieselben Leute, die die Allzuständigkeit der Satire bemühen, gegenwärtig zur Löschung von Beiträgen auf, wenn die Satire nicht im eigenen Sinn ist. Auf diese Weise stirbt jede lösungsorientierte Kommunikation. Da man nach einer Erkenntnis Paul Watzlawicks nicht nicht kommunizieren kann, sind die Wirkungen auf Strategien zur Konfliktbewältigung in der Gegenwart fatal. Sie gleicht in Kirche wie in der Gesellschaft zunehmen einer Kultur kommunikativer Schützengräben, einem rhetorischen Stellungskampf, der zwar hohe Verluste fordert, aber keinerlei Fortschritt bringt. Es ist längst an der Zeit, etwas zu ändern. Statt Teil des Problems zu bleiben, sollte eine Besinnung auf die Suche nach Lösungen Raum greifen.

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Elefantenreiten (Bei Euch – Folge 45 – 25.7.2020)

Reiz und Reaktion bestimmen auch das menschliche Handeln immer wieder. Das ist nur zu verständlich, weil gefährliche Situationen schnelles Handeln erfordern. Das hat das Überleben der Menschheit gesichert. Die korrekte biologische Einordnung des Säbelzahntigers in der Savanne kann das Leben kosten; die Fluchtreaktion auf den visuellen Reiz hingegen Leben retten. Solcherart Vorurteile haben also durchaus ihre evolutionäre Berechtigung. Für den Menschen als kulturelles Wesen hingegen birgt sie aber auch Gefahren, wenn in einer zunehmend globalisierten Welt alles Fremde automatisch, weil es unbekannt ist, mit Gefahr verbunden wird und auf den Reiz hin die Reaktion einer universellen Abwehr folgt. Der Mensch zeichnet sich nun aber insbesondere dadurch aus, dass er seine Reaktionen bewusst setzen kann. Es wäre also notwendig, den Reaktionselefanten reitend zu zähmen.

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Elefantenreiten

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Reiz und Reaktion bestimmen auch das menschliche Handeln immer wieder. Das ist nur zu verständlich, weil gefährliche Situationen schnelles Handeln erfordern. Das hat das Überleben der Menschheit gesichert. Die korrekte biologische Einordnung des Säbelzahntigers in der Savanne kann das Leben kosten; die Fluchtreaktion auf den visuellen Reiz hingegen Leben retten. Solcherart Vorurteile haben also durchaus ihre evolutionäre Berechtigung. Für den Menschen als kulturelles Wesen hingegen birgt sie aber auch Gefahren, wenn in einer zunehmend globalisierten Welt alles Fremde automatisch, weil es unbekannt ist, mit Gefahr verbunden wird und auf den Reiz hin die Reaktion einer universellen Abwehr folgt. Der Mensch zeichnet sich nun aber insbesondere dadurch aus, dass er seine Reaktionen bewusst setzen kann. Es wäre also notwendig, den Reaktionselefanten reitend zu zähmen – oder dem Rat der neutestamentlichen Jakobusepistel zu folgen, in der es heißt:

„Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; 20 denn der Zorn eines Mannes schafft keine Gerechtigkeit vor Gott.“ (Jakobus 1,19)

Wie sehr solche Besinnung notwendig wäre, zeigen auch die Themen dieser Folge, in der es (noch einmal) ebenso um die türkische Symbolpolititk geht, wenn die Hagia Sophia wieder als Moschee genutzt wird, wie die Problematik von Rassismus, der besser Kulturalismus genannt würde, die Fragen, die sich im Zusammenhang polizeilicher Vorgehensweisen stellen, den Harper-Letter und das Liberalismus-Thema und natürlich die aktualle vatikanische Instruktion der Kleruskongregation „zur pastoralen Umkehr der Gemeinden“.

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Wolfszeiten (Bei Euch – Folge 44 – 18.7.2020)

Die Wölfe sind wieder da. Als biologische Spezies wandern sie schon seit längerer Zeit von Ost- nach Mitteleuropa ein. Selbst am Niederrhein hat man schon Exemplare gesichtet. Dabei löst die Anwesenheit des Wolfes ambivalente Gefühle aus. Die einen sind fasziniert von der Schönheit des Tieres und seiner Lebensweise, die sie schützen wollen; andere sehen in ihm einen Jäger, der die Schwäche anderer Wesen ausnutzt – und im Zweifel wohl auch vor Menschen nicht halt mach. In der Bibel steht der Wolf meist für Gefahr. Der berühmte „Wolf im Schafspelz“ (vgl. Matthäus 7,15) steht im Mund Jesu für die falschen und gefählichen Propheten. Andererseits zeichnet sich das Paradies dadurch aus, dass der Wolf durch das Lamm beschützt wird. Auch Zeichenhandlungen sind oft ambivalent – ebenso wie das Bestreben der türkischen Regierung, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen.

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Die Wölfe sind wieder da. Als biologische Spezies wandern sie schon seit längerer Zeit von Ost- nach Mitteleuropa ein. Selbst am Niederrhein hat man schon Exemplare gesichtet. Dabei löst die Anwesenheit des Wolfes ambivalente Gefühle aus. Die einen sind fasziniert von der Schönheit des Tieres und seiner Lebensweise, die sie schützen wollen; andere sehen in ihm einen Jäger, der die Schwäche anderer Wesen ausnutzt – und im Zweifel wohl auch vor Menschen nicht halt mach. In der Bibel steht der Wolf meist für Gefahr. Der berühmte „Wolf im Schafspelz“ (vgl. Matthäus 7,15) steht im Mund Jesu für die falschen und gefählichen Propheten. Andererseits zeichnet sich das Paradies dadurch aus, dass der Wolf durch das Lamm beschützt wird.

Ob die, die gerne den Wolfsgruß entrichten, um die zerbrechliche Verheißung dieses Symbols natürlicher Stärke wissen? Es ist kaum ein Zufall, dass der Wolfsgruß fatal dem Schweigefuchs gleicht, mit dem erzieherisches Personal in Tageseinrichtungen für Kinder zur Ruhe mahnen. So sind Zeichenhandlungen oft ambivalent – ebenso wie das Bestreben der türkischen Regierung, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Unter welchen Zeichen wird dort gebetet werden? Ist dieser Entschluss von heiliger Weisheit, von „hagia sophia“ geprägt? Die wechselhafte Geschichte dieses Gebäudes hat es zu einem Weltkulturerbe werden lassen, das alle Menschen zu heiliger Weisheit mahnt – ob sie nun glauben oder nicht. In der Türkei wird da gerade eine Chance vertan …

Gefühlte Wahrheiten (Bei Euch – Folge 43 – 11.7.2020)

Emotion geht vor Information. Wenn Argumente fehlen, übernehmen Gefühle die Herrschaft. Das ist in der Welt genauso der Fall wie in der Kirche. Die Emotionalisierung treibt derweil hier wie dort seltsame Früchte. Dabei sind Gefühle, was sie sind: Eine innere Wahrnehmung von subjektivem Wert.

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Gefühlte Wahrheiten

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Emotion geht vor Information. Wenn Argumente fehlen, übernehmen Gefühle die Herrschaft. Das ist in der Welt genauso der Fall wie in der Kirche. Die Emotionalisierung treibt derweil hier wie dort seltsame Früchte. In der Gesellschaft wird die Kritik an einem Stück Stoff, das als Mund-Nasen-Schutz getragen der Eindämmung einer Virus-Pandemie entgegenwirkt, zum Symbol freiheitskämpferischen Widerstands – wobei sich manch ein selbst ernannter Querdenker bei näherem Hinsehen eher als egomanischer und infantiler Querulant enttarnt; in der Kirche wird Kritik gerne mit dem Verweis auf verletzte religiöse Gefühle begegnet. Dabei sind Gefühle, was sie sind: Eine innere Wahrnehmung von subjektivem Wert, die – wie etwa ein Schmerz – eine Verletzung signalisiert, die einer Behandlung bedarf. Verletzte Gefühle weisen also auf eine Störung hin, die entweder von außen oder von innen kommt. Deshalb sind verletzte Gefühle Symptome, aber eben keine Argumente. Dabei könnte die Symptomatik durchaus auch auf ein innen liegendes Problem verweisen. Wer dieser Wahrheit auf die Spur kommen will, muss sich also einer Diagnostik und gegebenenfalls einer Therapie unterziehen. Wahrheiten kann man eben nicht fühlen, sondern glauben und wissen!