Der Mensch sei Mensch (Bei Euch – Folge 55 – 2.10.2020)

Wie Krisen überhaupt führt auch die Krise der Corona-Pandemie die Frage nach dem, was der Mensch eigentlich ist, vor Augen. Leben, Glück, die Schaffung von Lebensgrundlagen, Gesundheit, Fürsorge, Sozialität – all das und mehr macht das Menschsein aus. Wo jeder nur an sich und seine persönliche Freiheit denkt, verliert sich der Mensch letztlich selbst. Erst das Denken vom anderen, vom Gegenüber her, bringt den Menschen zu sich selbst.

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Der Mensch sei Mensch

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#kck42 #beieuch – www.kck42.de/beieuch

Wie Krisen überhaupt führt auch die Krise der Corona-Pandemie die Frage nach dem, was der Mensch eigentlich ist, vor Augen. Leben, Glück, die Schaffung von Lebensgrundlagen, Gesundheit, Fürsorge, Sozialität – all das und mehr macht das Menschsein aus. Wo jeder nur an sich und seine persönliche Freiheit denkt, verliert sich der Mensch letztlich selbst. Erst das Denken vom anderen, vom Gegenüber her, bringt den Menschen zu sich selbst.

Das wird insbesondere bei einem jüdischen Fest deutlich, das vom 2.-9. Oktober 2020 gefeiert wird: Sukkot – Laubhüttenfest. Diese Fest und die mit ihm verbundene Feierkultur zeigt, dass nicht nur in, sondern auch durch die Zeiten die Gemeinschaft der Menschen allein eine gute Lebensgrundlage für alle bildet. Es wird Zeit, dass die Gesellschaften des Westens das wieder lernen. Sukkot könnte dafür ein guter Anlass sein.

Wir weisen darauf hin, dass manche der folgenden Artikel hinter Paywall stehen. Bitte beachten Sie, dass guter Journalismus Geld kostet.

Geschöpf und Ebenbild: „Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“ Psalm 8,5 (Glaubensinformation)

Die Frage nach dem, was der Mensch ist, beschäftigt Theologie und Philosophie gleichermaßen. Ist er bloß ein Tier, das sich seiner selbst bewusst ist, oder ein Wesen das spielen kann? Juden wie Christen sehen im Men-schen ein Geschöpf Gottes, dass nach dessen Bild, nach seiner Idee geschaffen wurde. Als Abbild Gottes parti-zipiert der Mensch nicht nur am göttlichen Schöpfungswerk; Gott hat ihn auch als echtes Gegenüber, als Person mit Freiheit geschaffen, weil nur in Freiheit eine echte, freie Antwort möglich ist. Das bedingt, dass der Mensch sich in seiner Freiheit auch von Gott abwenden kann. Freilich ist auch Gott frei – und das hat Konsequenzen für ein Verhältnis von Schöpfer und ebenbildlichen Geschöpf, das dialektischer nicht sein könnte. Es ist diese Spannung, in der sich menschliches Leben befindet – eine Spannung, der man ausweichen kann, die aber höchst sinnstiftend ist, wenn man sich ihr stellt.

Das Menschenbild der Bibel

Die Frage nach dem, was der Mensch ist, beschäftigt Theologie und Philosophie gleichermaßen. Ist er bloß ein Tier, das sich seiner selbst bewusst ist, oder ein Wesen das spielen kann? Juden wie Christen sehen im Men-schen ein Geschöpf Gottes, dass nach dessen Bild, nach seiner Idee geschaffen wurde. Als Abbild Gottes parti-zipiert der Mensch nicht nur am göttlichen Schöpfungswerk; Gott hat ihn auch als echtes Gegenüber, als Person mit Freiheit geschaffen, weil nur in Freiheit eine echte, freie Antwort möglich ist. Das bedingt, dass der Mensch sich in seiner Freiheit auch von Gott abwenden kann. Freilich ist auch Gott frei – und das hat Konsequenzen für ein Verhältnis von Schöpfer und ebenbildlichen Geschöpf, das dialektischer nicht sein könnte. Es ist diese Spannung, in der sich menschliches Leben befindet – eine Spannung, der man ausweichen kann, die aber höchst sinnstiftend ist, wenn man sich ihr stellt.

Im Beitrag wird auf einen Text von Dr. Till Magnus Steiner im biblischen Weblog „Dei Verbum verwiesen:

Opferkult (Bei Euch – Folge 49 – 22.8.2020)

„Sich als Opfer zu definieren, ist ein Bestreiten dessen, was uns zu Menschen macht.“ (Jonathan Sacks) Dabei ist der Opfer-Begriff schillernd, trägt er doch immer einen Beziehungsaspekt in sich. Man kann zum Opfer werden. Andererseits kann man sich aktiv für jemand anderen opfern. Der Opferbegriff kann also auch von hoher ethischer Kompetenz zeugen. Auch in der jüdischen Tradition spielt der Opferbegriff eine wichtige Rolle – hier insbesondere als Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Gott. Diese Tradition könnte eine mögliche Lösung für diejenigen in sich tragen, die zu Opfern gemacht werden. In der Ermächtigung und Wiedererlangung der Souveränität über sich selbst wird Aktion ermöglicht. Kirche und Gesellschaft können daran mitwirken, indem sie die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu verpflichtet allein schon die Würde der Opfer.

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„Sich als Opfer zu definieren, ist ein Bestreiten dessen, was uns zu Menschen macht.“ (Jonathan Sacks) Genau das aber passiert in Zeiten der Corona-Pandemie vielfach, wenn selbst ernannte Querdenker sich als Opfer einer Corona-Diktatur, Mainstreammedien oder sonstiger finsterer Mächte wähnen. Dabei ist der Opfer-Begriff schillernd, trägt er doch immer einen Beziehungsaspekt in sich. In der germanisch geprägten Denkweise meint er ein komplementäres Beziehungsverhältnis, in dem ein Täter oder eine Täterin eine oder einen anderen Menschen erniedrigt. Zum Opfer wird man dann gemacht. Andererseits kann man sich aktiv für jemand anderen opfern. Der Opferbegriff kann also auch von hoher ethischer Kompetenz zeugen. Es kommt halt auf die Ziele an. Auch in der jüdischen Tradition spielt der Opferbegriff eine wichtige Rolle – hier insbesondere als Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Gott. Es ist sogar die Beziehung zwischen Mensch und Gott selbst, die als Opfer bezeichnet wird – ein Aspekt, der auch im Christentum von hoher Bedeutung ist und nicht vorschnell missverstanden werden darf. Dabei trägt diese Tradition sogar eine mögliche Lösung für diejenigen in sich, die zu Opfern gemacht werden. In der Ermächtigung und Wiedererlangung der Souveränität über sich selbst wird Aktion ermöglicht. Kirche und Gesellschaft können daran mitwirken, indem sie die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu verpflichtet allein schon die Würde der Opfer. Für die Selbstviktimisierer hingegen gilt: „Schließlich sollte man die Tricks, von denen ich gesprochen habe, dingfest machen, ihnen sehr drastische Namen geben, sie genau beschreiben, ihre Implikationen beschreiben und gewissermaßen versuchen, dadurch die Massen gegen diese Tricks zu impfen, denn schließlich will niemand ein Dummer sein.“ (Theodor W. Adorno, Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, Berlin 2019, S. 54.)

Außerdem gibt es eine kleine Einführung in das Handwerk und die Bedeutung des Weihrauches.

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