Gefühlte Wahrheiten (Bei Euch – Folge 43 – 11.7.2020)

Emotion geht vor Information. Wenn Argumente fehlen, übernehmen Gefühle die Herrschaft. Das ist in der Welt genauso der Fall wie in der Kirche. Die Emotionalisierung treibt derweil hier wie dort seltsame Früchte. Dabei sind Gefühle, was sie sind: Eine innere Wahrnehmung von subjektivem Wert.

Der Podcast der katholischen Citykirche Wuppertal

Gefühlte Wahrheiten

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Emotion geht vor Information. Wenn Argumente fehlen, übernehmen Gefühle die Herrschaft. Das ist in der Welt genauso der Fall wie in der Kirche. Die Emotionalisierung treibt derweil hier wie dort seltsame Früchte. In der Gesellschaft wird die Kritik an einem Stück Stoff, das als Mund-Nasen-Schutz getragen der Eindämmung einer Virus-Pandemie entgegenwirkt, zum Symbol freiheitskämpferischen Widerstands – wobei sich manch ein selbst ernannter Querdenker bei näherem Hinsehen eher als egomanischer und infantiler Querulant enttarnt; in der Kirche wird Kritik gerne mit dem Verweis auf verletzte religiöse Gefühle begegnet. Dabei sind Gefühle, was sie sind: Eine innere Wahrnehmung von subjektivem Wert, die – wie etwa ein Schmerz – eine Verletzung signalisiert, die einer Behandlung bedarf. Verletzte Gefühle weisen also auf eine Störung hin, die entweder von außen oder von innen kommt. Deshalb sind verletzte Gefühle Symptome, aber eben keine Argumente. Dabei könnte die Symptomatik durchaus auch auf ein innen liegendes Problem verweisen. Wer dieser Wahrheit auf die Spur kommen will, muss sich also einer Diagnostik und gegebenenfalls einer Therapie unterziehen. Wahrheiten kann man eben nicht fühlen, sondern glauben und wissen!

2 Gedanken zu „Gefühlte Wahrheiten (Bei Euch – Folge 43 – 11.7.2020)“

  1. Das Foto kann ich so bewerten,wenn ich Fotographie ganz nüchtern als im Bild festgehaltene Realität verstehe.Fotographie ist für mich auch Kunst vergleichbar mit Malerei.Der Urheber des Bildes hat sich Gedanken darüber gemacht,wie er seine Botschaft durch das Medium Bild zum Ausdruck bringen kann und hat es künstlerisch bearbeitet.Ich finde es künstlerisch für gelungen.Am Beispiel dieses Bildes komme ich zum Spiel mit den Gefühlen.Es muß ja einen Grund haben,warum wir Menschen Gefühle haben,die nicht nur in der Evolution liegen.Wegreden kann ich sie nicht,der Mensch ist nicht nur ein Vernunftswesen,sondern auch ein Gefühlswesen.Der Künstler spielt im Bild mit den Gefühlen Ekel,Flucht aber auch Zuneigung und Wärme.Letztlich kommt es bei aller Kunst auf die Botschaft an,die hinter der Kunst -hier- Fotographie für den Betrachter verbirgt.Nehmen wir das Donaulied,was jetzt in die Kritik gerät.Da besingen laut gröhlend auf fast jedem Volksfest regelmäßig in einer Strophe eine Vergewaltigungsszene eines jungen Mädchens.Das ist auch Kunst,aber die Botschaft ethisch nicht zu rechtfertigen..Die Bedeutung,dass der Mensch nicht nur vernunftbegabt sondern auch gefühlsbegabt ist hat Adolph Kolping in seinem Wirken auch erkannt.Er spricht von „Herzensbildung“ und davon ( die Verkündung ohne Worte) “ wer Menschen gewinnen will,der muß sein Herz zum Pfande einsetzen“

    Ihnen und Ihrer Familie einen schönen Urlaub

    1. Lieber Herr Peters, Danke für die guten Wünsche. Ja, das Foto kann man unterschiedlich interpretieren. Ich finde es gut – mache aber eben darauf aufmerksam, dass auch dieses Foto (semantisch) mit entsprechenden Effekten arbeitet, ohne die die eigentliche Aussage gar nicht deutlich würde. Das macht es eben so schwierig, wenn überall einfach so ein paar Bilder im Netz gepostet werden. Egal, ob ich das Foto nun wichtig und richtig finde oder nicht – mir ist es wichtig, auf die kritische Auseinandersetzung an sich aufmerksam zu machen. Und die gilt auch im Umgang mit Gefühlen. Da haben Sie völlig Recht: Die Evolution hat die Gefühle nicht nur zugelassen, sondern sie als Affekte (und Überbleibsel früherer Instinkte?) integriert. Sie sind tatsächlich wichtig für das Leben – ebenso wie für uns Menschen die Vernunft. Deshalb darf das eine nie gegen das andere ausgespielt werden (und das tue ich auch nicht). Wenn aber statt Argumenten Gefühle angeführt werden (etwa statt inhaltlicher Auseinandersetzungen mit dem Beitrag von Caronlin Kebekus in der Reaktion der DBK auf Gefühle appliziert wird), dann geschieht genau das. Das macht jede Kommunikation unmöglich, weil man über Gefühle eben nicht streiten kann … Hinzu kommt, dass der Begriff „Gefühl“ äußerst diffus ist. Meint man Emotionen (und wenn ja: affektiv-spontane oder grundlegend, die Haltung betreffende?) oder die Sinne, bei denen es ja auch ums Fühlen geht. Meint man also psychische oder physische Reaktionen und Symptomatiken? Wenn ich mich schlecht fühle, meine ich damit einen physischen oder psychischen Zustand? Wenn es um die Physis geht, stelle ich aufgrund des Fühlens eine Diagnose (z.B. Kopfschmerzen) und leite eine Therapie ein (Tablette, kalte Umschläge usw.). Ähnlich – und darauf kommt ich zu sprechen – verhält es sich auch mit psychischen Reaktionen. Das Gefühl einer Verletzung sollte zu einer entsprechendne Diagnose führen: Was hat mich verletzt? Ist es die Realität, die mir als Spiegel vorgehalten wird? Dann müsste ich etwas an meiner Haltung ändern, will ich nicht auf einem Irrweg bleiben. Oder wurde ich beleidigt? Dann wäre es ein Problem des Gegenüber. Beleidigungen sind aber etwas Persönliches. So oder so: der Verstand muss dem Gefühl zur Seite springen (und oft auch – allein um der Empathie willen) das Gefühl dem Verstand. Das macht uns Menschen aus (in meiner Diktion eben Hirn und Herz – aber eben nicht Bauch, weil der eben auch medizinisch, sofern es den Darm betrifft, ein vegetatives Eigenleben führt …). Eins geht aber eben nie, wenn man Kommunikation nicht von vorneherein totschlagen will: das vermeintlich verletzte Gefühl als Argument anführen … ;-). Deshalb haben Sie völlig Recht: Es braucht Herzensbildung, aber bitte weniger Bauchgegrummel! 😉
      In diesem Sinn beste Grüße,
      Ihr Werner Kleine

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