Kains Mal – 6.6.2020

Gott ist überall. Und sein Name wird nur allzuoft missbraucht. Weshalb etwa hält der us-amerikanische Präsident eine Bibel für ein Fotoshooting hoch, nachdem er sich den Weg von der Polizei mit Tränengas freischießen ließ? Der Hintergrund liegt im Umgang mit dem Wort Gottes. In einer alten evangelikalen Tradition sah man in der dunklen Hautfarbe von Menschen das Kains-Mal – und damit einen gottgewollten Makel. Angesichts der Proteste, die durch den brutalen Tod George Floyds ausgelöst wurden, darf man diese Geste eines Präsidenten, der nicht zum ersten Mal durch rassistische Äußerungen aufgefallen ist, wohl kaum unterschätzen. Sie zeigt nicht nur, wie banal der Umgang mit dem Wort Gottes wird, wenn man biblizistisch vorgeht; sie wird sogar teuflisch, entpuppt sich der Satan selbst in der Versuchung Jesu doch durchaus als Schriftgelehrter. Auch die Auslegung des Wortes Gottes bedarf des kritischen Diskurses. Vor allem aber muss sei dem Leben dienen. Wenn Gottes Geist Lebensatem gibt, stehen die, die Lebensatem nehmen, immer gegen Gott.

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Gott ist überall. Und sein Name wird nur allzuoft missbraucht. Weshalb etwa hält der us-amerikanische Präsident eine Bibel für ein Fotoshooting hoch, nachdem er sich den Weg von der Polizei mit Tränengas freischießen ließ? Der Hintergrund liegt im Umgang mit dem Wort Gottes. In einer alten evangelikalen Tradition sah man in der dunklen Hautfarbe von Menschen das Kains-Mal – und damit einen gottgewollten Makel. Angesichts der Proteste, die durch den brutalen Tod George Floyds ausgelöst wurden, darf man diese Geste eines Präsidenten, der nicht zum ersten Mal durch rassistische Äußerungen aufgefallen ist, wohl kaum unterschätzen. Sie zeigt nicht nur, wie banal der Umgang mit dem Wort Gottes wird, wenn man biblizistisch vorgeht; sie wird sogar teuflisch, entpuppt sich der Satan selbst in der Versuchung Jesu doch durchaus als Schriftgelehrter. Auch die Auslegung des Wortes Gottes bedarf des kritischen Diskurses. Vor allem aber muss sei dem Leben dienen. Wenn Gottes Geist Lebensatem gibt, stehen die, die Lebensatem nehmen, immer gegen Gott. Welche Rechtfertigung könnte da im göttlichen Gericht vorgetragen werden, von dem Paulus sagt:

„Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: Das Werk eines jeden wird offenbar werden; denn der Tag wird es sichtbar machen, weil er sich mit Feuer offenbart. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer prüfen. Hält das Werk stand, das er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr.“ (1 Korinther 3,11-17)

Feuerzunge im Weizenfeld. Berauschendes in dem, was Brot sein wird. Und der Himmel atmet offen. (Foto: Werner Kleine – CC BY-SA 3.0)

2 Gedanken zu „Kains Mal – 6.6.2020“

  1. Herzlichen Dank vor allem für die Show notes.Ich habe mir das Gespräch mit Thomas Hieke angehört.Mir ist noch deutlicher der Stellenwert der Bibelwissenschaften deutlich geworden.Seit gaudium et spes haben die Wissenschaften als Autonomie der Sachbereiche einen Wahrheitscharakter,wenn Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens erfüllt sind.
    Aber wie kann es gelingen in der Verkündung stärker auf Bibelwissenschaften zu reflektieren?Ich habe den Eindruck,dass in der Verkündung viel zu viel Interpretierendes aus Sicht des Verkündigenden in Predigten gesagt wird,ohne bibelwissenschaftlichen Erkenntnisstand.Oder ist mein Eindruck falsch?Und wenn es passiert,dann in einer Sprache,die die Gemeindemitglieder kaum verstehen,da sie hierzu Hintergrundwissen haben müßten.
    Deshalb kommt ein wichtiger Aspekt hinzu: Vertrauen.Ich vertraue darauf,dass das,was gepredigt wird der Wahrheit in der Bibel am nächsten kommt.Und dieses Urvertrauen gerade bei uns Katholiken in die Priester ist durch den Missbrauch verloren gegangen oder droht verloren zu gehen.Wir sind so sozialisiert worden,der Klerus muß seine Schäflein behüten und steht irgendwie Gott näher .Der Katholikenrat der Stadt Köln macht sich dieses tradierte Bild regelmäßig zu Nutze und antwortet auf den Hirtenbrief des Erzbischofs mit einem „Herdenbrief“ ,um den Stachel hier in die Wunde zu legen.

    Es bleibt die Herausforderung in der katholischen Kirche,wie die Laien vor fundamentalistischen Auslegungen der Bibel geschützt werden können.
    Denn nach Thomas Hieke( genialer Satz) zeichnen sich Fundamentalisten dadurch aus,dass sie die Seiten der Bibel nicht weiterschlagen .

    1. Lieber Herr Peters, abermals vielen Dank für Ihren Kommentar. Den „Herdenbrief“ kenne ich – allerdings würde ich nie selbst von „Herde“ sprechen, weil ich damit letztlich genau das gängige Bild zementieren würde. „Zeugenbrief“ würde mir da besser gefallen, weil der auferstandene Christus uns alle zu „Zeuginnen und Zeugen“ berufen hat. Aber gut – ich verstehe ja das Anliegen.
      Ja, da sprechen Sie ein Problem an. Ich finde viele Predigten da exegetisch eher unreflektiert (wohlgemerkt nicht alle – es gibt hervorragende Prediger, denen man anmerkt, dass sie das Wort Gottes mit Herz und Hirn zu verstehen suchen!). Genau deshalb betreibe ich etwa dieses Projekt hier oder den Blog „Dei Verbum“. Ich bin überzeugt, dass man nicht Theologie studieren muss, um das Wort Gottes zu verstehen. Es wurde ja für Nichttheologen geschrieben. Gleichwohl besteht heute natürlich ein großer zeitlicher und kultureller Abstand zu Entstehungszeit und dem Entstehungskontext der Schriften. Da hilft manches Fachwissen dann schon, um die eine oder andere Verständnisschwierigkeit zu überbrücken. Dafür sind wir Theologinnen und Theologen da. Nachdenken darf – und ich füge hinzu: muss! – aber jede und jeder selbst. Einfach den Hirten vertrauen, die glauben, Gott „irgendwie“ (schöne Einschränkung!) näher zu sein, das sollte man als mündige Christin und mündiger Christ dann doch nicht. Wenn man in der Taufe Christus angezogen hat wie ein Gewand und dadurch ihm ähnlich wurde – kann die Weihe da noch mehr geben? Ich glaube das nicht … Und ja: Der Satz von Hieke, einfach einmal weiterzublättern – der ist in der Tat genial. Den habe ich mir auch gemerkt, weil darin alles wichtige auch zur kontextuellen Exegese wunderbar gesagt ist.
      Mit herzlichem Gruß,
      Dr. Werner Kleine

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