Leben nach dem Tod

Was kommt nach dem Tod? Der Glaube an die Auferstehung Jesu vom Kreuzestod bedeutet eine intellektuelle Herausforderung, scheint sie doch der allgemein menschlichen Erfahrung zuerst zu widersprechen. Schon Paulus stellt sich wenige Jahre nach dem Kreuzestod Jesu diesen Fragen und geht erstaunlich rational vor. Dabei weckt der Glaube an die Auferstehung neue Fragen – wie etwa der nach der letzten Gerechtigkeit. So entsteht eine spannende Reise durch die paulinische Briefliteratur.

Paulinische Perspektiven

Was kommt nach dem Tod? Der Glaube an die Auferstehung Jesu vom Kreuzestod bedeutet eine intellektuelle Herausforderung, scheint sie doch der allgemein menschlichen Erfahrung zuerst zu widersprechen. Schon Paulus stellt sich wenige Jahre nach dem Kreuzestod Jesu diesen Fragen und geht erstaunlich rational vor. Dabei weckt der Glaube an die Auferstehung neue Fragen – wie etwa der nach der letzten Gerechtigkeit. So entsteht eine spannende Reise durch die paulinische Briefliteratur, die Dr. Werner Kleine am 22.2.2019 in einem Vortrag vor dem ökumensichen Gesprächskreis Rott (Wuppertal-Unterbarmen) unternimmt.

Wir präsentieren hier den Mitschnitt des Vortrages.

2 Gedanken zu „Leben nach dem Tod“

  1. Zum 1. Korintherbrief würde ich Sie gerne fragen:
    – Paulus bezeichnet sich selbst als Missgeburt.Hatte das damals die gleiche Bedeutung wie heute?oder ist das falsch aus dem griechischen übersetzt?
    Oder hatte Paulus so wenig Selbstachtung ?
    – die 500 Zeugen der Jesuserscheinung.Gibt es in der Bibelwissenschaft Erkenntnisse,auf welches Ereigniss Paulus hier reflektiert?

    Danke und bleiben Sie gesund

    1. Lieber Herr Peters,

      Danke für Ihren Kommentar. Ich versuche, kurz zu antworten:

      1. Paulus verwendet in 1 Korinther 15,8 den Begriff ἔκτρωμα (gesprochen: éktroma). Er bezeichnet wörtlich eine „Fehlgeburt“. Der Begriff „Missgeburt“ ist da schon sehr wertend. Die revidierte Lutherbibel von 2015 übersetzt hier leicht besser „als einer unzeitigen Geburt“. Da wird deutlicher, dass Paulus auf seine Biographie anspielt. Er war zuerst ein Verfolger der Christen, bevor ihm eben der auferstandene Christus – und darauf spielt er an – bei Damaskus selbst erschien. Seine „Geburt“ (im Sinne der Erkenntnis) kam also nicht rechtzeitig, sondern zu spät. Er hätte das alles früher erkennen können, vielleicht sogar müssen und so den Christen Leid ersparen können.
      Gleichzeitig wird der Begriff ἔρκτρωμα in der Antike aber eben auch als Schimpfwort verwendet. Dieser Aspekt klingt in der Übersetzung der Einheitsübersetzung als „Missgeburt“ an. Paulus „beschimpft“ sich hier quasi selbst – ein klassisches Understatement, verzichtet er doch nicht darauf, selbst Auferstehungszeuge zu sein.
      2. Das bringt mich zum zweiten Teil Ihrer Frage. Nein, die über 500 Zeugen werden sonst im NT nicht erwähnt. Trotzdem sind sie im hier gegebenen Zusammenhang glaubhaft und wichtig. Warum?
      a) Die Korinther waren Paulus gegenüber, obschon er der Gemeindegründer war, eher skeptisch eingestellt. Im 1. Korintherbrief wird von Parteiungen berichtet (vgl. 1 Kor 1,12f), die zu einem Großteil eben nicht für Paulus waren. Dem 2. Korintherbrief geht ein massiver Konflikt und Vorwurf der Unlauterkeit des Paulus voraus. Die Korinther hätten sich also nicht einfach mit einer Behauptung abspeisen lassen. Sie werden nachgefragt haben. Deshalb ist der Hinweis wichtig, dass von den 500 viele noch leben. Man kann einige also selbst fragen. Da das Thema in 2 Korinther überhaupt nicht mehr auftaucht, kann man das als Indiz (wohlgemerkt nicht als Beweis) nehmen, dass hiervon Gebrauch gemacht wurde. Es gibt also einen induktiven Schluss auf die Echtheit der 500.
      b) Sie sind argumentativ an der Stelle wichtig. Die Autorität der 12 Apostel war zwar unbestritten. Trotzdem konnten gerade Gegner des frühen Christentums dieser disparaten Gruppe, die ja durchaus auch waffentragend war, wie die Schwertszene im Garten Gethsemane zeigt, durchaus verschwörerisches Interesse an einer behaupteten Auferstehung vorwerfen. Dass das durchaus aktuell war, zeigt die Notiz in Matthäus 27,62-66 über die von den Pharisäern veranlasste Bewachung des Grabes Jesu, damit nicht „seine Jünger kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferstanden. Und dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als alles zuvor.“ (Matthäus 27,64) Trotz aller Autorität und trotz der Tatsache, dass Paulus sie sogar zweimal anführt, bleibt ihre Beweiskraft für die Auferstehung anfragbar. Paulus selbst könnte – und das ist ja ein Teil des Grundes für sein Understatement als „Miss-/Fehlgeburt“ – immer des Eigeninteresses bezichtigt werden. Die über 500 sind hingegen von diesen Zweifel befreit und auch davon, dass sie sich verschworen haben könnten. Das geht bei über 500 Menschen schlicht nicht. Irgendjemand würde plaudern. Sie sind also in der Argumentation des Paulus eminent wichtig – zu wichtig, als dass Paulus hier auf ein Phantasma rekurrieren könnte. In der Summe also häufen sich die Indizien für die Existenz dieser Gruppe (und das sei als Anmerkung erlaubt: Wenn es nicht 500, sondern vielleicht nur 400 waren … es würde immer noch reichen ;-)).
      Also: Wir führen hier einen klassischen Indizienbeweis. Aus der Summe der Aspekte kann man auf die tatsächliche Existenz einer großen Gruppe von Auferstehungszeugen schließen. Ob die sich am See Genezareth befunden haben (als der Auferstandene dort erschien), ob dazu die Emmausjünger gehören (die ja nicht Teil der 12 waren) oder ob sich das Ganze in Jerusalem zutrug – darüber kann nichts gesagt werden. Das NT kennt aber solche Zeugenschaften – man denke allein an die Frauen am Grab – die über die Zwölf hinausgingen. Wenn Jesus den Seinen als Auferstandener erschien, dann spricht nichts dagegen, dass er auch jenen erschien, die ihm zu Lebzeiten folgten. Da ist allein an die 72 zu denken, die er in Judäa aussandt. Ich selbst schätze die Größe seiner Anhänger, die mit ihm nach Jerusalem einzogen auf 250 bis 300 Personen. Auch das sind Hinweise (wenn auch keine Indizien). In der Summe aber wird man sagen können, dass Paulus hier durchaus auf gesichertem Boden steht. Alles andere wäre ihm in Korinth auch nicht gut bekommen …

      Mit bestem Gruß,
      Dr. Werner Kleine

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